Hamburger Abendblatt - 27.02.09 - Rolf Salo lacht viel beim Reden. Derzeit hat er allen Grund dazu. Vor zwei Wochen erst wurde der Leiter einer Hamburger Arbeitsmarkt-Dienstleistungsfirma zum hiesigen Landesvorsitzenden der FDP gewählt, nun erzielt seine Partei laut Umfrage einen Stimmenanteil von neun Prozent. Bundesweit sind die Liberalen derzeit auf dem Vormarsch. In der Hansestadt haben sie in den beiden zurückliegenden Wahlen zur Bürgerschaft nicht mal die Fünf-Prozent-Hürde geschafft.
Hamburger Abendblatt: Haben Sie ein schlechtes Gewissen?
Rolf Salo: Warum?
Abendblatt: Weil Sie vom Bundestrend profitieren.
Salo: Die Bürger haben die Nase voll von faulen Kompromissen der Großen Koalition in Berlin. Zur Finanzkrise wünschen sich viele wirtschaftlichen Sachverstand. In Hamburg ist es die katastrophale Bildungsreform, die viele Wähler umdenken lässt. Wir erhalten täglich Post von aufgebrachten Eltern, die einfach nicht fassen können, dass Klasse fünf und sechs des Gymnasiums abgeschafft werden sollen.
Abendblatt: Die CDU ist also auf falschem Kurs?
Salo: Wenn der Bürgermeister die Betreuung der Schüler verbessern will, sollte er als Erstes seine Schulsenatorin wieder zurück in die Klasse schicken.
Abendblatt: Klingt nicht so, als planten Sie eine Zusammenarbeit mit der ebenfalls stärker werdenden GAL.
Salo: Stimmt. (lacht) Obwohl es dort auch einige vernünftige Politiker gibt.
Abendblatt: Prognosen sind vergänglich. Mit welchen Themen wollen Sie schließlich an der Wahlurne punkten?
Salo: Neben der geplanten Rettung der Gymnasien und der entschiedenen Ablehnung der Primarschule setzen wir klar auf Mittelstand. Stellen Sie sich mal vor, diese wirtschaftliche Stütze der Stadt ist im schwarz-grünen Koalitionsvertrag mit keinem Wort erwähnt. Bürokratieabbau ist die beste Konjunkturhilfe. Außerdem muss die Hafenquerspange endlich umgesetzt werden.
Abendblatt: Was heißt das konkret für die nächste Zeit?
Salo: Wir treffen uns beispielsweise in den kommenden Wochen mit vielen Elternvertretern aus den regionalen Schulkonferenzen, die noch bis Mai in den Stadtteilen laufen. Die völlig übereilte Einführung der Primarschule ist zu verhindern.
Interview: Philip Volkmann-Schluck
erschienen am 27. Februar 2009
Sylvia Canel - Stellvertretende Landesvorsitzende
Bildungspolitische Sprecherin
FDP Hamburg





